Praktikum in USA

Leben und Lebenlassen - Land und Leute


Michael Kratsch

Tja, wie einige andere Informatiker hat es auch mich im 2. Praktischen Semester ins Ausland verschlagen. Nach einigen hektischen Vorbereitungen, wie z. B. Visum beantragen, Englischkenntnisse nachweisen usw., saß ich am 1. März plötzlich im Flugzeug von Frankfurt nach Chicago. Das war schon in herrliches Gefühl zu wissen, daß man nun dabei ist, sich einen Traum zu erfüllen.

Als ich in Chicago ankam, mußte ich aber erst noch etwas weiterreisen, da mein endgültiges Ziel etwas nördlicher lag. Meine Heimat für die nächsten 6 Monate sollte Madison heißen. Dies ist die Hauptstadt des Bundesstaates Wisconsin, und dieser liegt genau an der Ostküste des Lake Michigan, welcher ja zu den fünf großen Seen gehört. Hier wurde ich schon von meinem Chef und seiner Frau erwartet.

Bei einem gemeinsamen Essen an diesem Abend wurde mir dann erst einmal klar, auf was ich mich da eingelassen hatte. Raymond, mein Chef, erzählte mir dabei nämlich, um was es in meinem Projekt eigentlich geht. Ehrlich gesagt, habe ich nur ca. 25% verstanden. Erstens sagten mir die ganzen Fachwörter nichts, und zweitens habe ich die Funktionsweise dieser 'Syringe-RAM' überhaupt nicht kapiert. Aber im Laufe der nächsten Wochen hatte sich mein Vokabular soweit vergrößert, so daß ich auch die Funktionsweise der Vorrichtung verstehen konnte.

Um es kurz zu erläutern: Raymond hat, als Biochemiker, in den letzten Jahrzehnten eine Vorrichtung entwickelt, mit der Chemiker im Labor das Mischungs- und Reaktionsverhalten von Chemikalien analysieren können. Dazu werden nach einer bestimmten Zeit (im ms-Bereich) die im Mischen befindlichen Flüssigkeiten in flüssigen Wasserstoff eingeleitet, so daß die Reaktion/Mischung sofort eingefroren wird. Die Steuerung und Messung des gesamten Vorgangs geschieht per Computer.

Meine Aufgabe war nun, ein vorhandenes Programm so umzuschreiben, daß der Datentransport von der Vorrichtung zum PC nicht mehr über die CPU geht, sondern, was wesentlich schneller ist, über Direct Memory Access (DMA) direkt in den Hauptspeicher eingelesen wird. Für all diejenigen, die kapiert haben, um was es ging, sei soviel gesagt: Das größte Problem war, daß das vorhandene, in C geschriebene Programm mit Assembler-Routinen beschleunigt und mit C++ verfeinert, so gut wie gar nicht dokumentiert war. Das bedeutete für mich erst einmal herauszufinden, wo die Funktionen versteckt waren, die mein Projekt betrafen. Aber schließlich wurde ich auch hier Herr der Lage. Somit kann ich allen Nachahmern nur sagen: Es sieht am Anfang schlimmer aus, als es im Endeffekt ist.

Neben meinem eigentlichen Projekt habe ich auch gelegentlich in den normalen Firmengeschäften mitgewirkt. Das ging vom Einkauf von Materialien, umrüsten der Spektrometer von analoger auf digitale Anzeige bis hin zum Versand von upgedateten Spektrometern. Außerdem wurde mir von meinem Chef noch einiges über Chemie beigebracht, was ja auch nicht uninteressant ist.

So, was viele aber wahrscheinlich viel mehr interessiert, ist das Privatleben. Dazu muß ich leider sagen, daß sich dies bei mir auf die Wochenenden beschränkte, da ich unter der Woche noch Nachtschichten im Fast-Food-Bereich ableistete. (Für alle Insider, es war nicht McDonald's, sondern Arby's!) Dazu muß ich allerdings sagen, daß ich dabei wesentlich mehr über Land und Leute kennengelernt habe als in meiner eigentlichen Praktikumsfirma. Die Zusammenarbeit mit Leuten aus Uganda, Jamaika und den USA war wirklich ein Erlebnis, und es haben sich daraus richtige Freundschaften ergeben.

An freien Abenden konnte ich das reichhaltige Kneipenangebot in der UNI-Stadt Madison genießen. Aber auch die reichhaltigen Kinos wurden ziemlich oft von mir besucht, was übrigens eine gute Möglichkeit ist, sich mit Englisch vertraut zu machen.

An den Wochenenden ging es dann aber immer los. Zusammen mit einem BWL-Studenten aus Donaueschingen (jaja, sogar die BWLer zieht es nach Übersee!) und einem echten Madisoner habe ich den Staat Wisconsin erkundet. Dies geschah per Auto, Fahrrad, Kanu oder ganz einfach zu Fuß. Natürlich ging es auch nach Chicago, Illinois, wo ich mir richtig die Verfolgungsjagd unter der 'El' in dem Film Blues Brothers vorstellen konnte. Zwischendurch ergab sich die Gelegenheit, mal nach Memphis, Tennessee und New Orleans, Louisiana zu fahren. Darüberhinaus ging es im abschließenden Urlaub noch von Nevada über Utah und Arizona runter nach Texas.

Im großen und ganzen kann ich sagen, daß sich der Aufenthalt in den USA auf jeden Fall gelohnt hat. Der Abschied von den neu hinzugewonnenen Freunden war nicht ganz so einfach, da ich mich inzwischen in Madison schon so richtig wie zu Hause gefühlt habe. Ich kann ein Auslandspraktikum wirklich jedem empfehlen, denn in keinem Urlaub kann man ein Land und die dort lebenden Menschen so gut kennenlernen wie bei einem Aufenthalt, bei dem man auch mit diesen Menschen zusammenarbeitet. Außerdem kann man so seine Englischkenntnisse verbessern, ohne daß es so lästig wird wie in einer Vorlesung.

Falls jemand in den unteren Semestern Interesse hat, ebenfalls in die USA zu gehen, und vielleicht ebenfalls bei der Firma UPDATE INSTRUMENT, Inc. tätig zu werden, sollte diejenige oder derjenige doch einfach auf mich zukommen: Michael.Kratsch@stud.fh-regensburg.de

 

[Rubrik: Auslandsstudium]


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