Ich werfe einen noch etwas verschlafenen Blick auf den ungestellten Wecker (zweckentfremdet quasi, aber in Südafrika, wo Zeit keine Rolle spielt, hat ein Wecker keinen allzu großen Sinn) Ui, es ist schon 7:30 Uhr und ich wurde nicht von der Hitze geweckt wie an vielen anderen Tagen und der Himmel verspricht einen tollen Tag: Es ist bewölkt!!! Noch etwas tapsig gehe ich in die Küche, wo sich sicherlich gerade einige Kakerlaken verkriechen, aber die sehe ich um diese Uhrzeit nie und sie stören wirklich keinen mehr, wie so vieles andere, worüber jeder bei der Ankunft noch geschluckt hat, gehörte bereits nach einigen Tagen einfach zu unserem Leben in Lulekani: z. B. das Leben ohne Bett und ohne "überflüssige" Möbel. Was braucht man schon mehr als einen Tisch, einigen Stühlen und einen Kühlschrank (aber der ist hierzulande auch unbedingt notwendig!)?
Die
anderen Praktikanten freuen sich genauso über die Wolken am Himmel. Vielleicht
kann man es heute sogar wagen, eine Jeans anzuziehen; dann hat man sie wenigstens
nicht vergebens mitgebracht. Na ja, lieber doch ein Rock, sicher ist sicher.
"Kommt gleich noch jemand mit ins Office?" Ich gehe lieber doch gleich
alleine los. Ich weiß ja genau, dass ich wie jeden Tag noch einige Stunden
mit Warten verbringen werde. Warten auf einen Kollegen, auf einen freien PC,
auf den Taxibus, wenn ich später noch in die Stadt will
Ungeduld ist
hier ein Fremdwort und wirklich komplett fehl am Platz!
Auf geteerten Straßen oder über sandige buschige Plätze führt mich mein Weg vorbei an spielenden Kindern, wovon eines ruft "How are you?", überglücklich zu wissen, dass und wie man Weiße auf Englisch begrüßt. Statt auf meine Gegenfrage zu antworten, rufen nun alle Kinder im Chor "How are you?", bis ich außer Sichtweite bin. Komisches Gefühl, nur wegen seiner Hautfarbe bekannt zu sein wie ein bunter Hund und Kinder glücklich zu machen, auch wenn sie mich gar nicht verstehen können Oh, da liegt wieder eine getötete Schlange - Gott sei Dank tot. Der Busch außerhalb Lulekanis ist das Paradies aller Krabbel- und Kriechtiere, die auch mal einen Ausflug ins Dorf machen. Doch zu früh gefreut: Die Wolken reißen auf und lassen nun die Sonnenstrahlen ungebremst und gnadenlos auf Lulekani knallen.
"Minjani
Mrs Mathebula" (Wie geht es Ihnen?) und lassen Sie sich nicht stören
beim Hühnchenschlachten direkt vor unserem Office, bei den Catering Women
bekommen die Mittagsgäste wirklich ein frisch zubereitetes Mahl. Im Office
herrscht schon rege Betriebsamkeit. Einige Kunden wollen Patricia's Service
in Anspruch nehmen, nämlich kopieren, faxen oder einen Lebenslauf abtippen
lassen. "Minjani Patricia, your business is running well today, isn't it?"
Alice kommt auch gerade zur Tür herein, begrüßt mich herzlich
und freut sich, dass ich einen Rock trage, denn damit würde ich gleich
viel afrikanischer aussehen. Sie ist Koordinatorin der Organisation und sozusagen
die rechte Hand von Petra, unserer Managerin, erledigt die Buchhaltung und sonstige
organisatorische Dinge und ist immer sehr dankbar für die Hilfe und Unterstützung
von uns Praktikanten.
Im Computer Center nebenan unterrichtet Recent seine Kursteilnehmer in Computer Basics, Windows und Microsoft Office. Eine Tür weiter köchelt wahrscheinlich gerade das frisch geschlachtete Hühnchen vor sich hin, in der Küche der Catering Women. Und wieder eine Tür weiter wird fleißig gebacken: Brot, Semmeln und Süßwaren - was das Herz begehrt. Mit diesen vier Abteilungen kann Leka Gape einen großen Erfolg verbuchen, denn immerhin wurden bisher für 20 Leute Arbeitsplätze geschaffen, d. h. 20 Arbeitslose weniger in einem Township, in dem die Arbeitslosenquote bei ungefähr 70% liegt, 20 Familien weniger, die am Existenzminimum leben, 20 überwiegend jungen Menschen, denen eine Zukunftsperspektive gegeben wurde. Dies ist eines der Hauptziele Leka Gape's. Ein anderes sind soziale Projekte, wie Kinder- und Jugendgruppen, Kunstkurse und Freizeitangebote für Jugendliche. Geplant sind unter anderem ein Frauenhaus und Beratungsstellen für missbrauchte Frauen und Kinder, aber das ist noch Zukunftsmusik.
Den größten Teil des bisherigen Erfolges ist ohne Zweifel auf Petra zurückzuführen, der deutschen Sozialpädagogin, ohne die nichts von alledem heute existieren würde. Ja und dann gibts noch uns Praktikanten. Wir helfen, wo es gerade notwendig ist, jeder in seinem Bereich: BWLer mehr im organisatorischen, buchhalterischen Bereich mitsamt Marktprognosen und Kalkulationen und was weiß ich, Sozpäds mit den sozialen Projekten, Techniker um neue einkommensschaffende Projekte (vielleicht auch im handwerklichen Bereich) zu testen und einzuführen. Außer der Geldfrage sind unserer Phantasie keine Grenzen gesetzt und jeder kann sich soweit in die Organisation einbringen und verwirklichen wie er will. Der Beginn und die Dauer des Praktikums ist Sache des Praktikanten, obwohl ein Mindestaufenthalt von 3 Monaten schon ratsam wäre. Es gibt keinerlei Zugangsvorraussetzungen. Wer will der darf - dafür wird auch nur die Unterkunft gestellt und alles andere läuft ehrenamtlich. Obwohl die Arbeit der Praktikanten sehr wertvoll ist, ist es für eine Organisation dieser Art in den ersten Jahren nicht möglich, ein Praktikumsgehalt zu bezahlen. Die Organisation hat eben noch alle Hände voll damit zu tun, sich selbst über Wasser zu halten. Ist der Flug und das Visum erst einmal bezahlt (vielleicht "sponsored by DAAD") und hat man in Deutschland keine laufenden Kosten wie Miete etc., dann ist es nicht so wild, denn in Lulekani ist das Leben nun mal um einiges billiger (abhängig vom Lebensstandard des einzelnen, eh klar!).
Der
Tag geht zu Ende, die Sonne verschwindet am Horizont, begleitet von einem traumhaften
Sonnenuntergang, der die Farben der Wiesen, Bäume und der Erde zum Leuchten
bringt
Oh ja, das sind die Farben Afrikas! Mit einigen anderen Praktikanten
schlendere ich heim zu unserem Haus, vielleicht hat ja jemand schon was gekocht
und sicherlich haben wir wie jeden Tag wieder Besuch von unseren einheimischen
Freunden. Was werden sie uns wohl heute erzählen aus Ihrem Leben und Ihrer
Kultur, wieder von Ghosts, Witch-Docs oder welche Schlange wie getötet
werden kann
Mehr Infos:
http://www.lekagape.de
martina.maier@stud.fh-regensburg.de