Nach
dem Erscheinen meiner Artikel in troja 27
und 28 bekam ich einige Anfragen zu
den Anleitungen zum Bau von Faschingskostümen und Vereins-Maskottchen.
Sogar als Vorlage für Stofftiere wurden sie bereits genutzt. Einige Arbeitsschritte
hatte ich nur beiläufig erwähnt, in diesem Artikel werde ich mehr
ins Detail gehen.
Die am häufigsten gestellte Frage war nach Bezugsquellen für die Rohmaterialien. Hier einige Möglichkeiten:
(die Bilder stammen von meinem 4. und 5. Kostüm)
Zuerst
wurde ein Aluminium-Profil in Kopfform gebogen. Dabei sollte dies nicht zu eng
anliegen um für Schaumstoffeinlagen oder auch Kühlpackungen Platz
zu lassen.
Daran wird das Gitter (zunächst von hinten bis zur Stirn) befestigt und dieses seitlich so eingeschnitten, dass es sich zur Kopfform biegen lässt. Zum Vernähen der Einzelteile benutze ich Draht, da dieser dem Gerüst noch mehr Stabilität gibt. Zwei kleinere Gitter wurden an der Stirn (jeweils über jedem Auge) und auf Höhe der Nasenspitze (am Aluminium-Profil) befestigt.

Diese Teile dienen zur Aufnahme der Augen mitsamt der Augenlider. Eine seitliche Verstrebung wurde als äußerer Befestigungspunkt genutzt. Auf diesem wurde zusätzlich die untere Einfassung der Augen angebracht. Die Schnauze bildet ein oben aufgelegtes Gitter (vorn nicht befestigt, um den Oberkiefer zum Zähne fletschen anhebbar zu machen) und einige Kabelhalter, um die spätere Form festzulegen. Ein Gummiseil bestimmt den unteren Rand des Oberkiefers. Die Seiten der Schnauze wurden danach mittels Moosgummi in eine gleichmäßige Form gebracht (am Gitter und am Gummiseil angenäht).
Der vordere Teil des Oberkiefers liegt nur lose auf dem Aluminium-Gerüst auf. Der Motor treibt eine Scheibe mit einem exzentrisch angebrachten Metallstift an, welcher bei jeder Umdrehung eine quer eingebaute Stange nach oben schiebt. An dieser Stange hängt wiederum die gesamte Verkleidung der Schnauze. Der untere Schnauzenrand besteht vorn aus einem Stück Aluminium-Rohr und seitlich aus Gummiseil (gleiche Dicke, mit Schrumpfschlauch verbunden).
Die Zähne sind im Oberkiefer vorn am Aluminium-Gerüst und in der Mitte durch den Motor verankert und bewegen sich somit nicht mit. Hinter dem Motor wurde noch ein Axiallüfter eingebaut.
Mittels der Kopf-Grundform wurden Papier-Schablonen für Ober- und Unterkiefer erstellt.
Auf dieser Basis wurde ein Aluminium-Blech zugeschnitten und mit Fimo überzogen (dient zur Verstärkung). Auf diese Grundplatten wurden danach die Zähne modelliert.
Das Zahnfleisch wurde zuletzt aufgetragen, um beim Erstellen der Zähne nicht so genau arbeiten zu müssen. Die Reißzähne erhielten als Kern einen kurzen Eisenstab, damit sie nicht beim Zubeißen abbrechen.

Das Zahnfleisch wurde mit Schaumstoff abgetupft, um der Oberfläche eine Struktur zu geben. Es sollte nicht nach Plastik aussehen.
Dieses Grundgerüst wurde mit Stoff bespannt, wobei einige Stellen noch mittels Schaumstoffeinlagen (Stücke vom Isolierungsschlauch) aufgepolstert worden sind.

Die Ohren bestehen aus Mousepads und Kabelhaltern (Plastikband und U-Profil).

Die Augenlider sind aus einer Plastikhalbkugel - etwas größer als die der Augen, in der Mitte durchgeschnitten, stoffbezogen und mit Aluminiumrohr vorn versteift. In die Halbkugel der Augen wurde eine durchsichtige Plastikfolie mittels Fenstermalfarbe eingeklebt und die Seiten ebenfalls bemalt.
Passend zur Stoffbespannung habe ich Papierschablonen und aufgrund dieser das Fell zugeschnitten. Die einzelnen Fellstücke wurden auf der Rückseite zusammengenäht und an den Randstellen (Unterlippe, Oberlippe, Augenrand, Ohren) am Kopf festgenäht. Heißkleber habe ich nur zum Fixieren der Nase verwendet.
Zur
zusätzlichen Frischluftversorgung wurden zwei Gummischläuche eingezogen,
die in den Nasenlöchern enden.
Das Vernähen des Kunstfells verursacht wesentlich weniger Probleme (Heißkleberwülste am Kopf, Brandblasen bei mir) an den Nahtstellen zwischen den Fellstücken. Das braucht allerdings mehr Zeit.

Durch
eine selbst gebaute und bewegliche Schneiderpuppe wurde das Zuschneiden und
Nähen des Körpers viel einfacher. Die Anleitung dafür ist unter
www.tioh.de zu finden.
Zuerst hatte ich einen Ganzanzug genäht. Wem das zu schwer ist, der kann auch beispielsweise einen Ganzanzug für Malarbeiten im Baumarkt kaufen und darauf das Fell nähen. Diesen dann auf die Schneiderpuppe aufgezogen und darauf passende Schaumstoff-Polster zugeschnitten. Den Schaumstoff habe ich komplett mit Stoff bezogen, damit dieser nicht im Kostüm verrutschen kann.
Um die Nähte leichter kontrollieren zu können, habe ich einen weißen Faden benutzt. Alle Nähte liegen außen, denn im Kostüm soll es möglichst bequem sein.
Wieder auf die Schneiderpuppe aufgezogen habe ich dann Schnittmuster aus Papier und aufgrund dieser das Fell zugeschnitten (für die Naht an jeder Seite 1 cm größer). Den Reißverschluss vorn wurde zuletzt eingesetzt.
Die Schuhsohle habe ich vom Schuster anfertigen lassen (aus 1 cm dickem Gummi ausschneiden). Zusätzlich habe ich noch Teile aus einer dünneren Gummisohle ausgeschnitten und mittels Gummikleber aufgeklebt.
Auf die Sohlen wurden gefütterte Hausschuhe mit Gummikleber aufgeklebt und der verbleibende Abstand zum Rand mittels Schaumstoff gefüllt. Am äußeren Rand der Sohle wurde dann ein 10 cm breiter Stoffstreifen angenäht und dieser durch weitere Nähte in die Form der Zehen gebracht. Wie beim Kopf dienen Papierstücke - mit Nadeln festgesteckt und entsprechend zugeschnitten - als Vorlagen für den Zuschnitt des Fells.
In die Rute hatte ich einen mit Schaumstoff umwickelten Gummischlauch gesteckt und diese dann per Hand angenäht. Aus meiner Erfahrung wird die Rute besonders stark strapaziert.
Zur Faschingsparade in Wunsiedel wurde der Fursuit fertig (genau 15 Minuten vor dem Umzug) und zum ersten Mal getragen.
Dieser Artikel ist vor allem als Zusammenfassung meiner E-Mail-Antworten gedacht. Alle Arbeitsschritte würden den Umfang dieser Publikation sprengen (Anleitungen zu diesem Thema sind auf meiner Homepage www.tioh.de zu finden). Wenn weitere Fragen auftauchen, dann können diese gern ins troja-Forum eingestellt werden. So muss ich nicht immer alles doppelt beantworten.

Viel Spaß bei den Vorbereitungen für die nächste Kostümparty.